Theater Alte Feuerwache e. V.

Theater Alte Feuerwache e. V. im Badehaus 2
Geschäftsstelle
Stresemannstr. 32
61231 Bad Nauheim

Telefon: 06032 / 998060-0
Fax: 06032 / 998060-9
TAF
Referenzen
Newsboard

25.12.20 - Türchen Nr. 25 im TAF-Adventskalender ⭐️

News Bild 25….hä? Tja, beim Theater ist immer noch ein Falltürchen eingebaut.
Dieses Jahr öffneten sich die Versenkungen auf allen Bühnen leider ins Bodenlose. All die Figuren, die sie sonst betanzten, beschritten und beschallten, kamen aus den dunklen Tiefen gar nicht mehr empor.
Und an diesem Ohne-Kunst-ist-alles-nichts-Dingens ist ja etwas dran. Und nicht nur, weil das Wahre und Schöne so prima unterhält und sich in der eigenen Ästhetik sonnt. Auf den berühmten Brettern wird in Wort, Bild und Musik auch das verhandelt, was die Welt bewegt und anhält. Am Bühnenvibrato können wir den Puls des Patienten Mensch besonders gut messen. Patient. Hm. Kein schönes Stichwort. So viele befinden sich in Krankheit, Einsamkeit, Trauer, Erschöpfung, Unsicherheit, Not.

Umso leichter fliegt uns in unserer kleinen Amateurtheaterblase ein Gefühl von Dankbarkeit zu. Dafür, dass wir uns trotz allem hatten und haben. In Videokonferenzen zwar oder in gemeinsamen Erinnerungen auf Facebook (muss ja auch für was gut sein), in Telefonaten und Mails. Und mit Abstand im Sommer sogar bei Musik und Wein. Die Sommerreihe kam nicht völlig unbeschwert daher, aber sie war ein Lebenszeichen. Ohne die Freunde des TAF mit ihrem Vorsitzenden Peter Schulze wäre dieses viel kleinlauter ausgefallen. Auch der Auszug aus dem Badehaus 2 und die Hilfe bei der Prüfung und Vorbereitung der nächsten Spielstätte war eine Mega-Leistung des Fördervereins.

Und wenn wir schon von der Trinkkuranlage sprechen, danken wir ausdrücklich nach diesem ungewissen Jahr unseren langjährigen Partnern, vorneweg der Stadt Bad Nauheim. Und namentlich dem zuständigen Dezernenten Peter Krank und dem Fachbereichsleiter für Kultur, Jochen Mörler, die nach 21 Jahren erfolgreicher Kooperation weiter mit uns in die Zukunft blicken. (Und wir dabei die manchmal interessant arbeitenden Mühlen einer Verwaltung und die Hauptamtlichen wiederum unsere ungeduldigen Fragezeichen ertragen müssen.) Es bleibt spannend, aber wir halten diese Spannung gemeinsam aus, bis sie sich in ein gänsehäutiges, aber wohliges Theaterknistern entlädt.

Um im Anfangsbild zu bleiben: Wenn wir aus der Bodenluke nach oben schauen, können wir vielleicht schon die ersten Scheinwerfer am Bühnenhimmel glitzern sehen. Irgendein Techniker ist doch immer am Start (ach, Ihr Lieben :-). Und dann senken sich langsam – mit auf Sicherheit bedachter Präzision – Seilzüge herab, die uns und hoffentlich besonders alle, die ganz im Dunklen sind, wieder ans Licht ziehen.
Falltürchen wieder zu.

Foto: Marc Wittenborn

+++Unsere Bühnenpräsenz ist coronabedingt im Moment etwas dürftig. Auch am Glühweinstand werden wir uns dieses Jahr nicht sehen. Deshalb schwelgen wir hier hygienisch einwandfrei in Erinnerungen. 24 Türchen - 24 Theatermomente ⭐️ +++ Ääähhh 25 ;-)

 

24.12.20 - Türchen Nr. 24 im TAF-Adventskalender ⭐️

News Bild
Tadaaaa! Da ist er. Pünktlich zum Fest versteckt sich JESUS CHRIST SUPERSTAR hinterm Adventstürchen. Nicht ganz überraschend, aber vielleicht sind doch einige pikiert, die frohe Botschaft von der Geburt Jesu gleich mit dem Kreuz verknüpft zu sehen.
Doch Gottes Sohn kommt nun einmal als Sterblicher zu den Menschen. Und das Musical lehrt uns, wie unfassbar kompliziert, anstrengend und wankelmütig diese sind. „Sei der Erlöser“ fordern die einen, „Verschwinde wieder ins Hinterland“ die anderen. „Liebe uns alle“ wird verlangt, doch so mancher meint „Aber liebe mich ein bisschen mehr“. Für die einen ist dieser Jesus von Nazareth die Offenbarung, für die anderen die Konkurrenz und für Pilatus letztendlich ein Ärgernis, für das er ungern Verantwortung trägt. Am Ende heißt es „This Jesus must die“ und die, für die der Messias doch sterben sollte, verkriechen sich kleinlaut.

Der Superstar wurde 2009 zum TAF-Superhit. Natürlich hatte das auch mit der Musik von Andrew Lloyd Webber zu tun, der sich bei JCS wirklich nicht hat lumpen lassen. Und weil die Originaltexte von Tim Rice so toll sind, ist es das einzige TAF-Stück, das komplett in englischer Sprache zu hören war.
Die Umsetzung im Schmuckhof des Badehauses und die enthusiastische sowie einfühlsame musikalische Leitung von Michael Bork taten ihr übriges, um die Zuschauer zu begeistern. Die Regisseurin Pia Nußbaum bespielte zwei mit einem Steg verbundene Bühnen und ließ die Zuschauer mitten im Geschehen. Dabei zeigte sie ihr Geschick, Räume im Raum zu nutzen und lebendige Bilder zu stellen. Denkwürdig die vielen letzten Abendmahle, während sich die Abendsonne in den Jugendstilfenstern spiegelte. Denkwürdig auch die Kreuzigungsszene in der Dankeskirche.

Und „Poor Old Judas“? Der hat wenigstens eine Stimme in diesem Werk. Der Mann, der Jesus über alles liebt, fürchtet den Trubel, die Größe der Bewegung und hält seine Mitjünger für (himmels-)geisteskrank. Der Sohn eines Zimmermanns hätte in die Fußstapfen seines Vaters treten sollen, wünscht er sich. Das hätte viel Leid erspart.
Ja, die letzten Jahrtausende überblickend – kann man mal drüber nachdenken…

Wir sind heute bei Euch allen. Bei denen, die mit warmen Herzen die Geburt im Stall feiern. Und bei denen, für die Weihnachten ein gepflegter Rotweinabend ist.
Und weil es noch die gibt, die in ganz anderen Nöten sind, bleibt es gewiss: Ob eine göttliche Macht existiert oder nicht – sie hat nur unsere Augen, unsere Ohren, unsere Hände.
Packen wir´s an.

Foto oben: Ulrich Schröder
Foto unten: Klaus D. Sistenich

+++Unsere Bühnenpräsenz ist coronabedingt im Moment etwas dürftig. Auch am Glühweinstand werden wir uns dieses Jahr nicht sehen. Deshalb schwelgen wir hier hygienisch einwandfrei in Erinnerungen. 24 Türchen - 24 Theatermomente ⭐️ +++

 

23.12.20 - Türchen Nr. 23 im TAF-Adventskalender ⭐️

News Bild

DIE LETZTE KÖNIGIN

Es war einmal ein Spieglein, Spieglein an der Wand. Ihr glaubt nicht, was Euch dieses Kleinod alles erzählen könnte… Zum Beispiel die wahre Geschichte der bösen Königin, die sich so gerne erklären und ihre ureigenste Geschichte teilen würde. Oder wer die missverstandenste, unterschätzteste und einsamste Person im ganzen Land ist. Nee, von wegen Schneewittchen.
Das ist der kleine Fransel, der schüchtern, intelligent und schwul in die Welt gestellt wird, die gar nicht auf ihn vorbereitet ist. Aber diese Sichtweise muss er in harten Lektionen erst gewinnen. Denn zunächst fühlt es sich für ihn so an, als ob er derjenige ist, der nie passt, der nie stimmig sich ins Gesamtbild fügt.
Fransel wird erwachsen und kann endlich in die Großstadt entfliehen. Und er beginnt freier den drängenden Fragen nachzuspüren. Wer bin ich? Was will ich? Und darf ich das wollen? Und wem kann ich verdammt nochmal auf der Reise hin zu den Antworten vertrauen?
Und dann passiert das Wunder. An der Käsetheke. Fransel findet den Vertrauten, den Menschen, bei dem seine Seele ankommen darf. Und somit ist alles gewonnen und wieder verloren. Denn die Welt ist nicht bereit für Königinnen.

Wir erlebten diese Reise 2017/2018 mit dem Autor und dem einzigen Darsteller dieses Stücks: Wolfgang Sünkel. In unfassbaren 140 Solo-Minuten und etlichen Rollen erzählte er die Geschichte von Fransel und von der bösen Königin. Seine Geschichte und auch irgendwie unsere. Großes Drama, das immer wieder in kleine Episoden zerfiel. Wenn Wolfgang Sünkel leidenschaftlich spielte, laut überlegte oder schlicht beobachtete – ob nun er selbst oder im Auftrag seiner Figuren – schwang es tief im Zuschauer mit. Das Gefühl kenne ich so gut, wollte man ausrufen. Und gleichzeitig: Nein, das wusste ich nicht, das habe ich nicht gewollt.
Als Mensch, für den ein coming out wenig mehr als ein unterhaltsames Spektakel in Klatschblättern und Melodramen ist und der entspannt durch sein straightes Leben geht, scheint es im Land der überall wehenden Regenbogenflaggen doch keine Unmöglichkeiten mehr zu geben. Anders sein, schwul sein, queer sein, whatever – ist doch heute alles lässig, normal.

Und dann erwischte es den "Käsemann" - und uns. Wir waren schockiert und sowas von beleidigt, dass Fransel keine Zukunft mit ihm haben konnte. Und das Märchen von der Königin kein Happy End. Und nicht, weil die Beziehung der beiden kippte, sondern weil die Gesellschaft kippte und kippt. Ins Engstirnige, ins Verblendete, ins Beschränkte, ins Rechtsradikale, in die absolute Voreingenommenheit.
Und weil sie doch gestorben sind, haben wir nicht genug gelernt.

Also, ihr Schneewittchens da draußen: Wenn ihr das nächste Mal die böse Königin zum Hochzeitsball bittet, lasst sie erzählen. Hört ihr zu und hört in euch rein. Es könnte sein, dass ihr sie zum Tanzen nicht mehr in glühende Schuhe stecken wollt.

Foto: Gunnar Bolsinger

+++Unsere Bühnenpräsenz ist coronabedingt im Moment etwas dürftig. Auch am Glühweinstand werden wir uns dieses Jahr nicht sehen. Deshalb schwelgen wir hier hygienisch einwandfrei in Erinnerungen. 24 Türchen - 24 Theatermomente ⭐️ +++

 

22.12.20 - Türchen Nr. 22 im TAF-Adventskalender ⭐️

News Bild
Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weitergehen.
Leider nicht, wenn man um einen Kopf kürzer ist. Dieses Game of Thrones endet doch immer ungesund. Da geht es der MARIA STUART von Friedrich Schiller nicht anders als der historischen.
In einem Schottland zwischen Katholizismus und Reformation und zerrieben zwischen den Ansprüchen der vielen rivalisierenden Adelsgruppen sucht sie nach ihrer Rückkehr aus Frankreich verzweifelt nach Verbündeten. Und aus dieser schwachen Position heraus macht sie ihren Anspruch geltend auf den englischen Thron. Sie sieht sich als rechtmäßige Nachfolgerin Heinrich VIII., dessen Ehe mit Anne Boleyn die Katholikin unmöglich anerkennen kann. Aber die aus dieser Ehe entstandene Königin im Amte wird die Konkurrenz aus Schottland überdauern. Wegen Hochverrats wird Mary Stuart 1587 hingerichtet.
Wie aufrichtig die flammenden Parlamentsreden und Briefe voller tiefinnerlicher Trauer um die königliche „Schwester“ waren, können wir Elisabeth I. heute nicht mehr fragen. Die Schillersche Kroninhaberin zumindest grämt sich zutiefst, nicht aus freien Stücken gnädig sein zu können:
„Oh, der ist noch nicht König, der der Welt
Gefallen muß! Nur der ists, der bei seinem Tun
Nach keines Menschen Beifall braucht zu fragen.
Warum hab ich Gerechtigkeit geübt,
Willkür gehaßt mein Leben lang, daß ich
Für diese erste unvermeidliche
Gewalttat selbst die Hände mir gefesselt!“

Wer weiß? Entspannt bei einem guten Tea Room Blend hätten die Damen das ohne die auf ihren Vorteil bedachten Berater vielleicht besser hingekriegt. Aber anders als bei Schiller haben sie sich nie getroffen.
Das Treffen der Königinnen beim TAF fand übrigens 1995 inmitten der Zuschauer in der Alten Feuerwache statt. Auf der Bühne haderte Elisabeth hinter ihrem goldenen Bilderrahmen und dort, wo jetzt die Kletterwand im Jugendzentrum ist, befand sich in dramatischem Rot-weiß der zersplitterte (Gefängnis-)Rahmen der Maria. Die Zuschauer konnten sich von ihrem Drehstuhl aus allen Geschehnissen zuwenden. Die „Spanische Mode“ war dem Gießener Stadttheater entliehen. Und im Namen der Völkerfreundschaft saß bei uns sogar eine waschechte Französin auf dem englischen Thron ;-).

Das 70jährige Thronjubiläum der „Zweiten“ ist übrigens nicht mehr weit. Wir können wahrhaftig behaupten, in einem elisabethanischen Zeitalter gelebt zu haben.

Regie: Christoph Schwab / Viola Muscolo
Fotos: Jürgen Brand

+++Unsere Bühnenpräsenz ist coronabedingt im Moment etwas dürftig. Auch am Glühweinstand werden wir uns dieses Jahr nicht sehen. Deshalb schwelgen wir hier hygienisch einwandfrei in Erinnerungen. 24 Türchen - 24 Theatermomente ⭐️ +++

 

News Archiv

Termine
TAF Newsletter

Anmeldung zum TAF Newsletter

Freunde
Freunde des TAF e. V.
Spielzeitsponsoren
ovag Energie und Wasser Sparkasse Oberhessen Wirtschaft für Bad Nauheim e. V. Spielzeitsponsoren
Login
Benutzer
Passwort

Passwort vergessen?